Drei Ereignisse
Drei Ereignisse

Drei Ereignisse

Journalisten haben in manchen Fällen einfach keine Fantasie. Nicht nur, dass die Publikationen von bestimmten Richtungen oder Verlagshäusern ständig von einander abschrieben, was manchmal Kreise zog, so dass der letzte, der die Geschichte abschrieb, dies von sich selber tat, es wurden auch gerne ständig die gleichen Phrasen verwendet. Manche waren verharmlosend. Manche waren der Situation angemessen. Eine solche Phrase war „Das Sonnensystem ist in Aufruhr.“ Das Sonnensystem war wirklich in Aufruhr. Nur leider war diese Phrase schon so oft verwendet worden, dass sie sich selbst sinnentleert hatte, ausgegossen auf dem Altar der Nichtigkeiten, der auf dem „Berg Dumm“ steht. Das war eine gefährliche Situation, denn jene, die sie ernst nehmen sollten, zuckten verständnislos die Achseln und gingen weiter. So geschah es, dass drei Ereignisse ihren Lauf nahmen. Unabhängig von einander, und doch auf eine merkwürdige Art und Weise mit einander verwoben.

In den Wäldern von Barlakshagja, vor Profit brennend.

Feuer fiel vom Himmel. Und während viele sich wünschten, das sei nur eine ausgeleierte Metapher, entsprach es doch der grausamen Wahrheit. Ein Sucherraumer schwebte über den weitläufigen Wäldern von Barlakshagja auf dem Planeten Venus und schoss Feuerstrahlen ab. Wo diese Strahlen die Bäume berührten, gingen diese sofort in Flammen auf. Der ganze Himmel war rot von Flammenschein und schwarz von den Rauchwolken. Besahkatza, der Herrscher der Region, stand auf einer Fläche, wo alle Pflanzen schon in Asche verwandelt waren. Er trug eine dunkle Robe und hatte eine Atemschutzmaske vor dem Gesicht. Es war keine dichte Maske, es ging lediglich darum, dass er genug Luft bekam. Aber ansonsten genoss er das Schauspiel.
„Es ist ein Fest!“, jubelte er immer wieder. „Großartig! Großartig! Brennt alles nieder!“

Der Mann, der neben ihm stand, hatte die gleiche grüngelbe Hautfarbe, trug ebenfalls eine Robe und eine Atemschutzmaske. Doch er war wesentlich ruhiger. Er schien das Schauspiel nicht zu genießen, wirkte eher in sich gekehrt und beunruhigt.
„Was sagt Ihr, Grendelwutz?“, wurde der Mann von Besahkatza angesprochen.
„Wir sollten die Brennschiffe zurückrufen“, erwiderte Grendelwutz. „Sie haben schon genug Wald vernichtet. Wir können die Kaufinteressenten informieren, dass sie sich…“
„NEIN!“, brüllte Besahkatza. „Nicht genug! MEHR! ICH WILL MEHR!“
Sein Gegenüber wedelte unsicher mit den Händen. „Wir sollten vorsichtig sein, mein Thanthal“, meinte er. „Ich habe mir die Unterlagen angesehen, die Ihr mir überlassen habt. Ich muss den Verfassern des Papiers zustimmen.“
„Zustimmen?“ Besahkatza wirkte verwirrt. „Bei was denn?“
„Bei dem, was wir schon seit Jahrzehnten wissen!“, antwortete Grendelwutz. „Die ACELS haben die Planeten des Sonnensystems mit Synchronicium terraformt…“
„‚Terraformt‘!“, brach es aus dem Thanthal heraus. „Was für ein hässliches Wort! Die Erde… pah. Die wird bald Geschichte sein!“
„Und das ist es, was mir Sorgen macht, mein Thanthal! Die ACELS haben Synchronicium benutzt, das sie von der Erde bekommen haben. Über das Synchronicium sind die Planeten des Sonnensystems miteinander verbunden, wie in einer Schicksalsgemeinschaft. Und was einen Planeten betrifft, betrifft die anderen auch. Es kann sogar sein, dass sich die Ereignisse gegenseitig hochschaukeln. Wenn wir es übertreiben, kriegen das die anderen Planeten genauso ab. Und die Schwingungen der Erde beeinträchtigen wiederum uns!“
„Unser Planet ist aber stärker! Was will uns die Erde schon tun?“
„Das ist falsch, mein Thanthal! Die Erde ist die ursprüngliche Quelle des Synchroniciums, welches das Leben auf den anderen Planeten beeinträchtigt. Sie hat ihre Gravitation und das Lebensfeld auf natürliche Weise erhalten. Wir hingegen sind abhängig von den Synchroniciumwellen. Wir müssen uns vorsehen, sonst geht unser Planet zugrunde. Und wir müssen die Regenten von den anderen Planeten überzeugen…“
„DAS IST NICHT WAHR!“, schrie Besahkatza. „Du lügst, so wie alle Deiner Rasse!“
Grendelwutz atmete tief ein. Er wusste, er war kein vollwertiger Barlakshag, dennoch traf ihn der Ausbruch seines Herrschers sehr. „Bitte, mein Herr!“, versuchte er es auf vernünftigem Weg, „wir können noch…“
„Wir werden aber nicht! Einst werde ich ein so großer Herrscher sein wie Scurra von Lokubami, da kann ich es nicht zulassen, dass so ein Wurm wie Du mich aufhält.“ Er drehte sich um. „Wachen!“, rief er. „Beendet das Leben dieses Nichtswürdigen!“

Aus der Dunkelheit von verbrannten Büschen und Bäumen schälten sich die Silhouetten von zwei Soldaten. Sie hoben ihre Waffen. Dann schossen sie.

Krieg zwischen den Monden des Jupiter.

Den Unterschied zwischen Kriegstreibern und jenen, für die ein kriegerischer Konflikt nur Verteidigungsmaßnahmen umfasste, konnte man an vielen Dingen ausmachen. Eines dieser Dinge der nahezu unverbrüchliche Glaube der Kriegstreiber an die eigene Überlegenheit, nicht nur was Personen betraf, auch generell. Man glaubte, sich von irgendeinem Gott, den man schwer beeindruckt wägte, gesegnet, wenn man in die Schlacht zog, um irgendeinen Feind zu bekämpfen, den die Propaganda in dunkelsten Farben gemalt hatte. So war es mit Anarthia und der Ideologie ihres Anführers Fla’mic. Unterstützt von einer Streitmacht der Hohen Hand sollte nunmehr Phase 47 des großen Angriffsplans zur totalen Vernichtung von allem, was im Weg stand, beginnen, mit der die Raumkampfflotte von Anarthia zum entscheidenden Schlag ausholen wollte. Etwas, das eigentlich schon in Phase 3 hätte passieren sollen.

Das Problem war nur: Der Gegner setzte sich weiterhin zur Wehr. Der Flotte von Almostea gelang ziemlich schnell ein Gegenschlag, bei der das Flaggschiff der Hohen Hand zerstört wurde, was Fla’mics Truppen dazu veranlasste, nicht weiter vorzurücken. All die Glorie, die er sich versprochen hatte, löste sich mit dem Flaggschiff der Hohen Hand in Rauch auf.

Viele Worte waren verwendet worden, um der Bevölkerung von Anarthia den sicheren Sieg zu verkünden, der bald sein würde. Die Niederlage hingegen blieb unerwähnt. Erstaunlich, wie eine so wort- und redegewandte Person plötzlich so schweigsam sein konnte.

Der Raum des Costan’Samani.

Zach Urity betrat den Raum und blieb ungläubig stehen. Der Raum war aus dem Felsen gemeißelt worden, er hatte eine runde Form und eine Kuppeldecke, die ihren höchsten Punkt über der Mitte des Raums hatte. An den Wänden standen grob behauene Steine, die hätten Statuen sein können. Man konnte es nur nicht genau erkennen. Max Tronic stand im Raum und kontrollierte die Leitungen, die hinter den Statuen verlegt worden waren.
„Wow!“, entfuhr es Zach. „Was ist das für ein Raum?“
„Er wird Costan’Samani genannt“, erklärte Max. „Hier gehört noch ein Relief her, das das Abbild von sechs… ja… Frauen, möglicherweise Göttinnen zeigt. Das ist ein sehr alter Raum.“
„Und was machst Du hier?“
„Der Raum hat eine ideale Position und ist ein großer Hohlraum im Fels“, kam es zurück. „Von hier aus kann man gut senden. Noch so ein Beweis meiner Hypothese.“
„Was meinst Du?“
„Na, das die Basen von ASTROCOHORS auf einen Punkt zurückgezogen werden und man versucht, von Cúyel unabhängig zu werden. Denn wenn das hier ausgebaut ist, braucht man die nicht mehr.“

Zach lief ein paar Schritte und sah sich weiter um. Der Raum, dieses Costan’Samani, befand sich im älteren Teil der alten Feste, die eigentlich nur noch als Ruine existierte, nun aber zur Basis umgebaut wurde. Mühlenhof, wo Max und Zach die letzten Wochen am Umbau beteiligt waren, lag unterhalb der Ruine, direkt im Tal.
„Kann ich etwas für Dich tun?“, fragte Max ganz unvermittelt:
„Was?“, machte Zach. „Ach so, ja. Wir haben eine Nachricht bekommen, die Jungs werden wohl nächstes Wochenende zurückkehren. Die Zeit im Kloster ist um.“
„Gut. Dann geht vielleicht mal wieder was vorwärts.“

Die alte Feste von Hohenkrabbstein.

Drei Ereignisse. Millionen von Kilometern auseinander und doch irgendwie miteinander verbunden. So ähnlich, wie es den Menschen der Erde ergeht. Und auch sie brauchen den Zusammenhalt. Ansonsten wird es unangenehm.

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