Mit ein bisschen Hilfe von einem Freund
Mit ein bisschen Hilfe von einem Freund

Mit ein bisschen Hilfe von einem Freund

Er hatte sich schon gefragt, ob er in seinen Ansprachen noch deutlicher werden sollte. Natürlich hatten ein paar Leute gemerkt, dass da irgendwas im Busch sein musste, als Py-Wa Fla’mic, der Zorbulg von Anarthia, in seinen Reden die Freunde beschwor, die guten Freunde, die zur Hilfe eilen würden. Die meisten hielten es für eine Marotte von ihm, aber einige wenige hatten Verdacht geschöpft. Deswegen waren sie jetzt tot. Fla’mic zuckte mit den Achseln. Unfälle passieren, sagte er sich. Doch endlich schienen die zu reagieren, die er mit diesen vagen Hinweisen wirklich erreichen wollte.

Die Purpurne Burg, der Herrschaftssitz des Zorbulg von Anarthia.

Fla’mic hielt sich in der Purpurnen Burg auf, dem traditionellen Regierungssitz von Anarthia. Es war ein imposantes, gedrungenes Gebäude, das gleich einem Wolkenkratzer viele Stockwerke in die Höhe ging und von vielen kleinen Türmchen gekrönt war. Seitlich des Hauptgebäudes befanden sich zwei separate Türme, die Wachunterkünfte. Der Zorbulg war schon immer paranoid gewesen, das war Tradition, und seit Fla’mic diesen Titel innehatte und es klar wurde, dass er ihn nicht abgeben wollte, wurde es noch schlimmer. In beiden Türmen lebten genug Soldaten, um die Purpurne Burg auf lange Zeit gegen jeden Eindringling zu verteidigen. Damit rühmten sich die Herrscher von Anarthia: Noch nie war es jemandem gelungen, die Purpurne Burg zu stürmen oder zu zerstören.

Hier war es, dass ihn endlich der Ruf erreichte, auf den er schon so lange gewartet hatte. Er wusste, mit wem er gleich sprechen würde, aber er wusste, er musste etwas hermachen. Also legte er seine traditionelle Robe an. Diese hatte einen hohen Kragen, der hinter dem Kopf eine große Scheibe bildete. Es war beste anarthianische Stoffkunst, nicht nur wirkte es so, als hätte Fla’mic einen Heiligenschein, in den Kreis waren Stoffe eingearbeitet, die der ockerfarbenen Haut des Regenten gleich waren, so dass das Auge verwirrt wurde und man nicht einfach erkennen konnte, wo der Kragen begann oder wo Fla’mics Kopf endete. Es war, als würde er in seinen dünnen Haaren ein Kopfteil tragen.

Fla’mic, der Zorbulg von Anarthia.

Fla’mic befand sich in einem speziellen Raum in der Purpurnen Burg. Dieser hatte den Ruf, absolut abhörsicher zu sein. Die Wände waren glatter Stein und drei Meter dick. Es gab nur ein Kabel, das durch eine Wand hindurchgeführt wurde, das mehrfach isoliert war. Außerdem wurde das Signal mehrfach codiert, bevor es in einem einfachen Monitor landete. Alles eben sehr paranoid. Nicht einmal ein Stuhl stand in dem Raum. Fla’mic musste stehen. Er betätigte einen Schalter – einen richtig alten Schalter, der umgelegt werden musste -, um den Bildschirm zu aktivieren. Es dauerte ein paar Sekunden und das Bild erschien. Es war Großadmiral Prawn.

„Sie waren sehr penetrant, Zorbulg“, stellte Prawn fest. „Was kann die Hohe Hand für Sie tun?“
„Ich freue mich, dass Sie meine Botschaft erhalten haben“, entgegnete Fla’mic überfreundlich. „Ich habe ein Problem, das nicht warten kann, bis wir unsere kleine Versammlung wieder abhalten.“
„Sprechen Sie, ich habe nicht viel Zeit.“
„Sie haben mitbekommen, dass ich gerne einen Teil von Ruvalara einverleiben würde.“
„Einen Teil?“ Prawn als Insektoid hatte keine Mimik, aber man konnte anhand des Tonfalls deutlich hören, dass er die Augenbrauen nach oben schob.
„Ja, vielleicht auch etwas mehr.“
„Etwas?“
Fla’mic knirschte mit den Zähnen. „Was wollen Sie hören?“, brummte er.
„Wenn Sie dem Rat der sieben Eversoren angehören wollen, will ich die Wahrheit hören. Nur wenn wir die Wahrheit kennen, können wir Ihnen helfen. Also, was wollen Sie?“
„Ich… will sie… alle! Alle Jupiter-Monde! Ruvalara, pft! Das soll nur der Anfang sein. Bald sollen alle Jupiter-Monde zittern vor dem Zorbulg von Anarthia! Sie werden sich unter meinem mächtigen Daumen finden, und jeder, der sich nicht anpasst, wird zerquetscht!“ Er hatte sich in Rage geredet. „Reicht Ihnen das!?“, setzte er noch hintendran in einem lauten Tonfall.
Prawn schwieg. Dann sagte er ruhig: „Das reicht mir. Was brauchen Sie?“
„Meine Generäle planen einen Angriff. Sie sagen, wenn wir den Gegner in die Zange nehmen, wird er schneller vorbei und erfolgreich sein. Wir haben aber kein Material für so ein Manöver. Meinen Sie, wir könnten einen koordinierten Doppelangriff machen?“ Er versuchte, sehr höflich zu bleiben. Das konnte er, wenn er unbedingt etwas haben wollte.
„Dafür bräuchten wir einen Strategen auf unserer Seite, der dafür sorgt, dass der Feind nicht mitbekommt, dass unsere Schiffe involviert sind, richtig?“
„Das wäre natürlich ideal. Alles zum Ruhm von Anarthia.“
„Natürlich. Das wäre auch in unserem Sinn. Noch wollen wir nicht, dass die Hohe Hand zu bekannt wird. Ich weiß auch schon, wen ich da nehme. Ich werde meine rechte Hand mit der Aufgabe betrauen, Captain Pellet. Ich werde das mit ihm besprechen und sehen, welche Raumkreuzer wir einsetzen können. Ich melde mich in zwei Standardstunden wieder, dann klären wir die Details. Prawn Ende!“

Fla’mic beobachtete, wie der Bildschirm vor ihm dunkel wurde. Das war besser gelaufen, als er gedacht hatte. Vielleicht würde nun… In diesem Moment kam ihm ein Gedanke. Was hatte Prawn gesagt? Es reiche ihm. Er hatte „mir“ gesagt, nicht „uns“ oder „dem Imperator“ oder etwas anderes. Interessant. Diese Hohe Hand schien eine gewisse Macht zu haben und mit der Aktivierung der Kristallsphäre hatten sie ja auch bewiesen, wozu sie fähig waren. Aber wer steckte da eigentlich dahinter?

Der Zorbulg wischte den Gedanken weg. Darum würde er sich kümmern, wenn Zeit dafür war. Jetzt gab es andere Prioritäten.

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